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Mittlerweile ist die Welle der Studierendenproteste aus Österreich nach Deutschland herübergeschwappt. Somit wurde auch in Münster eine Aktion gestartet – nach einer symbolischen Kissenschlacht um Studienplätze vor dem Fürstenberghaus wurde am Mittwoch (04.11.) in einer spontanen Aktion das Audimax im Englischen Seminar besetzt.

Bekanntgabe der Besetzung in der Mensa Bispinghof
Zahlreiche handgemalte Banner sowie etliche auf die Schnelle umfunktionierte Plakate rund um das Gebäude wiesen auf die Besetzung hin, zudem wurde diese auch mehrmals (unter anderem?) in der Mensa Bispinghof bekannt gegeben.
Per Twitter verfolgte ich das Geschehen auf dem Weg durch die Stadt, bis ich mir schließlich im Audimax selbst ein Bild der Situation machte. Zwischenzeitlich hatte sich bereits die Rektorin der Uni, Ursula Nelles, der Diskussion im Audimax gestellt. Prorektorin Marianne Ravenstein war noch anwesend, als ich gegen 15 Uhr das Audimax betrat. Da gerade Pause war, bestand das größte Problem in einer koordinierten Pizza-Sammelbestellung. Den Eindruck, den RadioQ etwas später twitterte, hatte ich auch:
Nach Mittwoch nachmittag habe ich das Geschehen nur sporadisch verfolgt – inhaltlich scheint nicht viel passiert zu seien, da die einzigen Meldungen auf der deutschlandweiten Plattform unsereunis.de die Räumung(sandrohung) betrafen. Am Freitag morgen wurde das Audimax dann schließlich friedlich von der Polizei geräumt – insgesamt also eine eher kurze Episode im Kampf der Studierenden für ihre Forderungen:
- Wir fordern den Stop der Ökonomisierung von Bildung!
- Wir fordern freie Bildung für alle!
- Wir fordern eine ausreichende öffentliche Finanzierung aller Bildungseinrichtungen!
- Wir fordern eine radikale Demokratisierung der Schulen und Hochschulen!
Dabei könnte man es nun belassen. Bei der Durchführung dieser Aktion sind mir jedoch einige Dinge aufgefallen, die ich (ganz im Sinne des stets geforderten offenen Diskurses) gerne ansprechen möchte.
Sicherlich sind die Ziele und Forderungen der Aktion sinnvoll – das steht für mich in Detailfragen, aber nicht generell zur Debatte. Jedoch müssen sich die “Veranstalter” einer solchen Aktion einige Fragen stellen lassen:
Raumwahl der Besetzung
Warum wird mit dem Audimax ein Hörsaal besetzt, der nur vom Namen her der zentrale Hörsaal der Uni ist? Warum wird eine solche Aktion nicht im H1 gestartet? Das leitet direkt weiter zum nächsten Problem.
Legitimation & Rückhalt in der Studierendenschaft
Wie werden solche Aktionen legitimiert, wenn der Rückhalt beim Großteil der Studierendenschaft fehlt? In Österreich herrschen offensichtlich katastrophale Studienbedingungen – und das fächerübergreifend. Der dortige Protest entfaltete sich spontan & über Fachbereiche und politische Ausrichtung hinweg. In Münster wurde ich den Eindruck nicht los, dass sich das schon beim Bildungsstreik im Sommer äußerst aktive Orga-Grüppchen diese Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte, um eine weitere öffentlichkeitswirksame Aktion zu starten. Völlig aus den Augen gerät dabei offensichtlich die fehlende Unterstützung der breiten Masse der Studierenden – in der Mensa reichten die Reaktionen an Nebentischen von Sprüchen wie “Boah ne, schon wieder so’ne AStA-Aktion!” bis zu gelangweiltem Abwinken, also gravierendem Desinteresse. Die Zahl der Erstbesetzer wurde mit 300 Leuten angegeben. 150 Demonstranten haben laut Pressemitteilung an der Demonstration am Freitag abend teilgenommen. Die MZ schreibt von etwa 70 Leuten. 37.200 Studierende hat die Uni Münster. Nur mal so zur Einordnung.
Party oder ernsthafte Demo?
Die Aktionen (auch die Groß-Demo im Sommer) oszillieren ständig zwischen gewolltem 68er-Geist und Fußballgroßveranstaltung. Umgedichtete EM/WM-Gröhlgesänge vermischt mit linker Rhetorik (Beispiele s.u.) lassen sich meiner Meinung nach eher schwierig mit ernsthafter Begegnung “auf gleicher Augenhöhe” vereinbaren. Es war schlicht lächerlich, wie beim Livestream zur Uni Potsdam Schlachtgesänge halbherzig angestimmt wurden und nach wenigen Worten wieder verstummten. Auch die peinlichen anschließenden Pausen ob fehlender Gesprächsthemen boten ein trauriges Bild – ich dachte es geht um Inhalte!?
Rhetorik / Image
Die oben angesprochene linke Rhetorik nervt. Ich greife mal ein paar Zitate heraus:
- “Die Räumung verlief von Seiten der Studierenden friedlich.” (Quelle) – Der Satz liest sich, als sei die Polizei gewaltsam vorgegangen. In der MZ heißt es dazu: “‘Wir haben die Studenten etwas unsanft geweckt. Unsere Beamten haben quasi das Licht im Hörsaal angeknipst. Proteste gab es anschließend keine’, so Laackman.” Licht anknipsen. Aha.
- “Durch die Räumung, so die BesetzerInnen, sei einer der wenigen Räume nun verloren gegangen, in dem Menschen offen und demokratisch über Bildungspolitik sprechen konnten.” (Quelle siehe oben) – Seit wann leben wir in einer Diktatur? Rede-/Meinungsfreiheit anyone? Es wurden während der Besetzung viele technische Mittel zu einer deutschlandweiten Vernetzung eingesetzt. Streams, Skype-Video-Telefonate, Twitter, Blogs,… Was spricht gegen deren weitere Nutzung? Es gibt über diese Tools einen offenen und demokratischen Weg, all diese Probleme zu diskutieren. Die Mittel zur inhaltlichen Arbeit sind da. Warum also diese aufgesetzte Dramatik?
- “in münster gab es am abend eine kraftvolle, schnelle und unkontrollierbare soli-spontie als zeichen der solidarität mit den besetzenden des audimax.” (Quelle) – von orthographischer kreativität in diesem satz mal ganz abgesehen: Soli-Spontie?
Die breite Masse der Studierenden wird so jedenfalls kaum zu ernst gemeintem Protest animiert werden. Und so lange Studierenden, Uni-Leitung und Medien (Hallo WN…) der Eindruck vermittelt wird, es mit einer Gruppe linker Träumer[1. Was ich jetzt nicht zwanghaft behaupten würde. Das Bild, das vermittelt wird, erinnert jedoch durch Rhetorik sowie teils utopische Forderungen leider oft daran.] zu tun zu haben, ist das Vorhaben (zumindest in Münster) zum Scheitern verurteilt. Harsche Kritik gibt es auch in den Kommentaren der Protestseite:
Ich habe einmal versucht etwas zu sagen, dass wurde seitens der tollen, selbsternannten Moderation im Keim erstickt, mit der Begründung, ich solle erst mal die Diskussionskultur lernen!!!
Die Besetzung war eine Farce von einem Haufen politisierter Möchtegern-Fuzzis, die versuchten, Germany’s next Gerhard Schröder zu werden. Es war einfach nur jämmerlich zu sehen, wie diese bestimmten Personen versucht haben, im Stil eines Debattierclubs mit unehrlichen und verlogenen Statements Beifall und Zustimmung zu erheischen.
Fazit
Der vermeintlich große Protest bleibt in Münster aus. Zumindest in dieser Form ist also die (dringend nötige!) Diskussion um die Zukunft der Bildung nicht machbar – #hierbrenntgarnix, wie mein Schwester treffend urteilte. Oder um es mit den Worten eines Kritikers aus der Mensa Bispinghof zu sagen:
Was muss ich denn hier besetzen, wenn mir solche Aktionen auf die Nerven gehen?


3 Kommentare zu “#hierbrenntgarnix”
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Ich möchte anhand von Stichworten auf Teile deines Beitrages eingehen:
Zum Zitat “So richtig viel scheint im Audimax nicht mehr los zu sein.”:
Dieser Eindruck konnte nach der anfänglichen “Diskussion” entstehen, die sich durch die selbstgerechte, passiv-agressive Haltung der Universitätsleitung nur sehr zäh entwickelte und daher berechtigterweise unterbrochen wurde. Und wenn man mit einer Konsumentenhaltung hinter den Pulten platz nahm. Wer sich jedoch aktiv einbrachte, war schnell in einer der provisorischen Arbeitsgruppen, die das notwendigste Taten um die Organisation der Besetzung zu koordinieren und vor allem andere Studierende zu informieren und zu mobilisieren, damit also mehr Menschen auf diese neue Situation reagieren konnten. Es werden sicherlich noch Analysen des Besetzungsprozesses folgen, die dabei auch manche organisatorische Mängel entdecken, aber hierbei handelt es sich eben auch um einen Lernprozess, der von allen Anwesenden Geduld, Respekt und meiner Ansicht nach auch etwas Demut (im Sinne Erich Fromm) erfordert. Geduld in Anbetracht der Umfangreichen Probleme und Forderungen und den zahlreichen zuständigen, oder eben auch angeblich nicht zuständigen Instanzen, Respekt vor den unterschiedlichen Meinungen und Ansichten anderer Menschen die unter dem gemeinsamen Protest zu verbinden waren und Demut vor den eigenen Unzulänglichkeiten und denen der anderen. Ich sehe es so, das Letzteres stärker hätte berücksichtigt werden müssen.
- “Raumwahl der Besetzung”
Die Wahl war wahrscheinlich taktischer und strategischer Natur. Der Raum war ausreichend “prestigeträchtig” (zudem war es der Universitätsleitung nach eigener Aussage unmöglich Ersatz zu finden, was wohl einiges über die Raumnot an der 37.200 Studierenden zählenden Universität Münster aussagt…), bot die notwendige Infrastruktur und vielleicht rechnete man mit mehr Verständnis der üblichen Klientel des Saales.
- “Legitimation und Rückhalt der Studierendenschaft”
Nun bin ich nicht der Ansicht, dass nicht auch Minderheiten das Recht haben, ihre Meinungen und Forderungen auf unterschiedlichste Weise zu artikulieren und auf sich aufmerksam zu machen. Jedoch können die vor Ort vertretenen Meinungen und Forderungen im Hinblick auf die Proteste im Juli wohl kaum als solche bezeichnet werden. Ich hielt und halte es für angemessen, (1)die Gunst der Stunde zu nutzen, um neue Handlungsspielräume zu eröffnen, (2)unseren österreichischen KommilitonInen (die sich vor Ort in Wien, Innsbruck, Salzburg, usw. von Beginn an stark machten, für die zahlreichen deutschen Uni-Flüchtlinge, welche dort zu Sündenböcken gemacht werden sollten) endlich aktiv Solidarität zu zeigen und (3)die öffentliche Debatte, die gerade wieder und bereits seit Jahren immer mehr an teilweise künstlichen Jubiläums-Debatten zu ersticken droht, auf aktuelle Problemlagen zu lenken.
Zudem werden doch wohl auch in Münster z.B. Fachschaftsvertretungen wie auch der AStA von den Studierenden gewählt?! Und sie werden gewählt um zu handeln. Das darüber anscheinend zu viele vergessen, dass jeder einzelne eine Mitverantwortung trägt und das es notwendig ist, selbstständig Engagement zu zeigen, auch wenn das Studium einen bedrängt, dies zeigt sich möglicherweise an den Teilnehmerzahlen. Traurig, aber Teil der Gesamtproblematik.
Auf der anderen Seite gibt es scharfe Kritiker dieses demokratischen Prozesses, die sich nicht mit lautstarken, abfälligen und teilweise beleidigenden Kommentaren zurückhalten und alle Möglichkeiten nutzen, um einzelne Menschen und die Bildungsbewegung insgesamt zu diskreditieren. Dies scheint hier jedoch vollständig aus dem Blick zu geraten. Aber es hat in Deutschland natürlich auch Tradition Menschen und Gruppen als “links(extremistisch)” zu stigmatisieren, um sie dann anhand einzelner, herausgelöster Ereignisse/Aussagen/usw. in Schubladen zu stecken, aus denen man immer wieder die Handpuppen herausholt, die dem fragenden Menschen so wunderbar einfach und oberflächlich erkläreren, wovor er Angst haben muss. Angst, weil man den übergroß-verzerrten, öffentlichen Bildern politischer Aktivität nicht zu Nahe kommen und damit von ihnen “befleckt” werden will. Dies ist eine Ursache für die neue, uns alle lähmende und diffuse “Mitte”.
Dabei ist für mich die “Mitte”, in die sich so viele Verunsicherte und Mutlose zurückgezogen haben, längst zu einem schleimigen Pfuhl der Selbstverleugnung geworden, der deutlich größere Gefahren birgt, als all die o.a. üblichen, vereinfachten Zuschreibungen wären, würden sie denn stimmen.- “Rhetorik / Image”
Das es Polizeigewalt gegeben hat behauptet niemand, aber die Räumung ist ein repressiver Akt, der zwar rechtens war (Das Motto der Rektorin hier: “Es kann nicht sein, was nicht sein darf!”), aber meiner Ansicht nach ungerecht und ungerechtfertigt ist.
Die öffentliche Debatte soll und wird weitergehen, aber es braucht auch andere Mittel und Räume, als die der virtuellen Welt, die ja selbst leider zunehmend kriminalisiert wird (“Internet als rechtsfreier Raum”).
Das Mikrophon und die Redeleitung standen jedem und jeder offen. Es wurde sogar mehrfach und laut um einen Wechsel gebeten. In den entsprechenden eingerichteten Arbeitsgruppen gab es zudem für diejenigen, die im großen Plenum zu unsicher waren, Möglichkeiten zur Kritik und Einsatz. Eine derartig pauschale Kritik, wie sie hier zitiert wird, ist vollkommen falsch und ich sage dies als jemand, der als Osnabrücker die lokalen Strukturen kaum kennt und persönlich unvoreingenommen ist. Zudem ist die zitierte Kritik eine Stimme, die dem Plenum und der angesprochenen Moderation einen Mangel an Radikalität vorwirft. Diese Stimme in diesem Kontext anzuführen, erscheint mir unredlich, wenn gleichzeitig von “linken Träumen” gesprochen wird.
- “Fazit”
Ob der große Protest in Münster ausbleibt, wird sich erst noch zeigen (auch wenn hier dagegen gearbeitet wird!). Der Versuch war mutig und er war es wert, auch wenn er viel Kraft gekostet hat.
Wem solche Aktionen auf die Nerven gehen, der muss wohl oder übel seinen Hintern bewegen und sich mit der Situation vor Ort auseinandersetzen.
Manuell ergänzt, da unter vermutlich falschem Artikel kommentiert:
„Durch die Räumung, so die BesetzerInnen, sei einer der wenigen Räume nun verloren gegangen, in dem Menschen offen und demokratisch über Bildungspolitik sprechen konnten.” (Quelle siehe oben) – Seit wann leben wir in einer Diktatur? Rede-/Meinungsfreiheit anyone? [...] Warum also diese aufgesetzte Dramatik?”In was für einem Land wir eigentlich leben? Vielleicht in einem Land der unbeantworteten rhetorischen Fragen?
Geschrieben von Patrick Seele am 08.11.09 um 18:28 . – Antworten
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@Patrick Seele: Hi Patrick! Zunächst ein mal: Herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Bevor ich ins Detail gehe: Ich habe deinen zweiten Kommentar mal unter dem hier zunächst aufgeführten ergänzt. Der stand – soweit ich es nachvollziehen konnte – unter einem weiteren, thematisch unpassenden Artikel & gehört wohl eher hier hin!
Kommen wir zum Inhalt:
Ich habe keineswegs mit einer “Konsumhaltung” Platz genommen, sondern aus anderen Gründen: Zum einen bin ich Magisterstudent, dementsprechend nicht nur bald mit dem Studium durch, sondern auch kaum von den Problemen betroffen. Und habe momentan schlicht keine Zeit, mich für einen Protest zu engagieren. Aber bevor ich über eine solche Aktion schreibe, urteile oder was auch immer, mache ich mir doch gerne selbst ein Bild der Lage. Und bei dieser Betrachtung hat sich mir eben dieses Bild geboten.Die Raumwahl ist für mich eher ein untergeordnetes Problem – dennoch bin ich sicher: Im H1 wäre der Protest noch weitaus eher beendet worden. Das Ersatz-Problem würde ich jetzt mal auf den Hochschultag beziehen, nicht auf das generelle Raumangebot der Uni!?
Legitimation / Rückhalt:
Natürlich sollen & müssen Minderheiten ihre Interessen artikulieren & auf sich aufmerksam machen. Aber es gibt hier für mich zwei Hauptprobleme: Du sprichst davon, Solidarität mit den österreichischen Studenten zu zeigen. Klar, absolut! Die Besetzungen haben bei weitem mehr Aufmerksamkeit verdient – genauso die Diskussion um Bildung. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es in Münster extrem schwierig ist, Studenten für solche Maßnahmen zu bewegen. Bei der Bildungsstreik-Demo (an der ich auch teilgenommen habe!) waren größtenteils Schüler anwesend. Und die Wahlbeteiligung an Wahlen zum Studierendenparlament sind seit jeher äußerst niedrig. Mitverantwortung ist vielen Studenten offenbar so egal, dass sie noch nicht mal an einer der überall anzutreffenden Wahlkabinen halten…Du sprichst zudem vom (schönen) Bild der Handpuppen, die bei Bedarf schwarz & weiß noch mal erklären. Glaub mir, ich sehe das nicht so. Aber jeder Journalist, der im Saal war, bekommt dieses Bild vermittelt. Was sollen Sprüche wie “So lange wir in einer kapitalistischen Gesellschaft leben, brauchen wir diese Kaffeekasse” denn sonst als Eindruck vermitteln? Für den ganz harten Realitätsabgleich genügt ansonsten ein Blick in die Kommentare der WN. Die sind – klar – teils sehr konservativ, radikal & unmöglich. Zeichnen aber ein Bild dessen, was “draußen” ankommt.
Rhetorik etc
Ich kann gerade den Zusammenhang zwischen “öffentlichem digitalem Raum zur Diskussion” und dem angeblich rechtsfreien Internet nicht herstellen… und bevor du von rechtsfreiem Internet sprichst: Google bitte mal beispielsweise “Jako” und “Jack Wolfskin”. Das sind nur zwei Beispiele, wie im Netz Recht durchgesetzt wird (bzw. versucht wird, das durchzusetzen). Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.
Ob der von mir zitierte Kommentator mit seinem Kommentar Radikalisierung erreichen wollte, ist für mich erstmal unerheblich, denn er spricht das Kernproblem an, das auch ich so wahrgenommen habe: Die Orga-Gruppe des Bildungsstreiks dominiert die Debatte.Fazit:
Weil ich einige unbequeme Fragen aufwerfe & kritisiere, arbeite ich dagegen? Ist es also dann doch nicht so ganz basisdemokratisch, wenn mal jemand darauf hinweist, dass in Münster der große Rückhalt fehlt?Wie du sicher weißt, ist ja das Nicht-Beantworten das Lustige an rhetorischen Fragen. Dennoch ein kleiner Service: Wir leben in einer freien Demokratie, die Rede- und Meinungsfreiheit (zumindest zu diesem Thema…) garantiert. Da jetzt dramatisch von einem der wenigen Räume zu sprechen, in dem man offen und demokratisch über Bildungspolitik sprechen kann, halte ich einfach für vollkommen überzogen.
Ein wenig mehr Bodenhaftung, Abgeklärtheit und Konzentration auf Inhalte würde der Debatte meiner Meinung nach extrem gut tun – und diese auch für zurückhaltende Studenten interessant machen.
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Das Letzte zuerst:
Der zweite Kommentar, den ich unter dem Blogeintrag http://bertdesign.de/netzleben/was-passieren-kann-wenn-man-sich-kooperativ-verhaelt#comment-92 geschrieben hatte, bezog sich auch auf diesen, denn dort stellst Du die (rhetorische) Frage “In was für einem Land leben wir eigentlich?” und schließt an mit “Unfassbar.” Du sprichst sogar von den “Mühlen des Systems” und entschuldigst dich direkt danach dafür. Woher kommt dort in deinem Kommentar diese “aufgesetzte Dramatik”? : )
Darauf wollte ich mit meinem Kommentar hinweisen…Zum Rest:
Vielleicht hast Du keine Konsumentenhaltung eingenommen, aber für eine aktive Beteiligung, das entnehme ich deinen Aussagen, hattest du auf Grund deiner Magisterarbeit keine Zeit. Das verstehe ich vollkommen und ich verstehe auch, warum sich viele andere nicht die Zeit nehmen. Sie können es sich nicht leisten! Kann ich es mir leisten im AudiMax Münster mehrere Tage zu verbringen? Eigentlich nicht. Das Leben ist halt unfair…Der von Dir angesprochene Hochschultag (HIT) war am Donnerstag. Die Zusammenarbeit mit den Dozenten, die den Raum zusammen mit den Studierenden und SchülerInnen nutzten, verlief gut. Insofern hätte es auch nach deinem Verständnis keine zwangläufige Notwendigkeit gegeben, den Hörsaal am Freitag Morgen räumen zu lassen?
Legitimation / Rückhalt:
“Was sollen Sprüche wie „So lange wir in einer kapitalistischen Gesellschaft leben, brauchen wir diese Kaffeekasse” denn sonst als Eindruck vermitteln?” – Ironie, nehme ich an?
“Systemkritik” (sorry für den Ausdruck…) geht immer Hand in Hand mit mehr oder weniger beißenden humoristischen Einlagen. Aber so lange die Auslagen noch für die meisten erschwinglich sind, muss man darüber natürlich nicht lachen… ; )Um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass das Gefasel von “Langhaarigen”, die “mal wieder eine Dusche brauchen” und sich “Arbeit suchen sollen”, wie es in einigen Kommentaren unter den Online-Meldungen daher kommt repräsentativ ist. Ich halte es für dumpfe Stimmungsmache die eigentlich keinem weh tut. Sie werden höchsten dadurch geadelt, wenn sie in einem Blog wie diesem als Beleg für eine “Außenwirkung” gehandelt werden.
Ich behaupte nicht, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist. Ich gebe nur die “Außenwirkung” wieder…
Wenn die “Orga-Gruppe” (ich gehe mal davon aus, dass wir damit die Menschen meinen, die sich regelmäßig, freiweillig und offen Treffen und bisher die Koordinierungsarbeit zwischen SchülerInnen und Studierenden, dem bundesweiten Netzwerk und der eigenen Hochschule geleistet haben) des Bildungsstreik keinen größeren Anteil an der Debatte gehabt hätte, dann würde ihr das wohl mindestens genau so zum Nachteil ausgelegt werden. Kritik an der “Redeleitung” ist Standard bei solchen Veranstaltungen und ist sicher auch berechtigt, aber in der hier vorgetragenen Form vollkommen abwegig. Zumal die “Redeleitung” jederzeit, jedem und jeder offen Stand und es ansonsten auch in den kleineren Arbeitsgruppen Möglichkeiten gegeben hätte, seine oder ihre Kritik zu äußern.
Ich meinte im übrigen nicht, dass der Kommentator mit seinem Kommentar eine Radikalisierung einforderte, sondern dass die Kritik, die er ausdrückt, aus genau der entgegengesetzten Richtung kommt. Eine Richtung, die Du hier als “linke Träumerei” bezeichnest. Ich halte es für unredlich auf der einen Seite die angebliche “Außenwirkung” zu kritisieren, auf der anderen Seite aber aus dem Kontext gerissene Zitate zu präsentieren, ohne den Hintergrund zu schildern.Fazit:
“Weil ich einige unbequeme Fragen aufwerfe & kritisiere, arbeite ich dagegen? Ist es also dann doch nicht so ganz basisdemokratisch, wenn mal jemand darauf hinweist, dass in Münster der große Rückhalt fehlt?”Ich finde das du an zu vielen Stellen verkürzt und ein verzerrtes Bild wiedergibst. Das ist meine Meinung. Das hat mit Münsteraner Basisdemokratie in diesem Blog-Umfeld wenig zu tun.
Wenn ich feststelle, dass dein Kommentar gegen unseren Protest arbeitet (vielleicht willst du es ja nicht, aber dein Kommentar tut es meiner Meinung), dann solltest du daraus keine Situation konstruieren, die behauptet, dass kritische Fragen nicht möglich und basisdemokratisches Engagement nicht gewünscht seien.Und entschuldige bitte, wenn dies zunächst mein letzter Kommentar ist. Das hängt natürlich zum einen mit meiner dringend notwendigen Nachholarbeit in Sachen Bodenhaftung, Abgeklärtheit und Konzentration zusammen, zum anderen fordern die Umstände mich anderswo heraus.
Mit besten Grüßen,
PPS: http://www.petitiononline.com/rektorat/petition.html
Geschrieben von patrick seele am 10.11.09 um 11:17 . – Antworten
Was meinst du?

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