• scissors

    Die boh­rende Nach­frage eines nie­der­län­di­schen Jour­na­lis­ten zur Kom­pe­tenz Wolf­gang Schäu­bles als Finanz­mi­nis­ter an Angela Mer­kel hat mitt­ler­weile schon einige Kreise gezo­gen:

    (Direkt­Ver­ges­sen)
    René hat drü­ben bei Nerd­core dazu pas­sende Gedan­ken formuliert:

    Frau Mer­kel sagt damit: Der genießt mein Ver­trauen nicht trotz sei­ner Ver­wick­lung in die Spen­den­af­färe, son­dern des­halb, weil er weiß, wie man sowas bei­nahe unbe­scha­det über­steht. Weil er weiß, wo der Hase lang­läuft, weil er weiß, wie man das poli­ti­sche Tages­ge­schäft führt. Dabei hat er sich ein­mal erwi­schen las­sen und auch das konnte ihm nix anha­ben. Und das macht ihn in die­sem poli­ti­schen Tages­ge­schäft zu einem her­vor­ra­gen­den Spie­ler und wer wäre bes­ser geeig­net, die Scha­che­reien auf den Finanz­märk­ten zu über­wa­chen, als so einer.

    Die nie­der­län­di­sche Tages­zei­tung De Tele­graaf hat aus der Frage ihres Jour­na­lis­ten Rob Savel­berg mitt­ler­weile einen Arti­kel gebaut, den ich bei halb­wegs okayen Holländisch-Kenntnissen wärms­tens emp­fehle (Update: Deut­sche Über­set­zung, gefun­den über Spree­blick) . Ver­mut­lich stellt sich für einige Leute die Frage, von wel­chen 100.000 DM bei die­sem Vor­fall eigent­lich die Rede ist. Dazu habe ich eine gute Zusam­men­fas­sung gefun­den:

    (Direkt­Pan­orama)

    1995 for­mu­lierte Josh Quitt­ner im Arti­kel „The birth of way new jour­na­lism”:

    Go as deep or stay as shal­low as you want wit­hin a piece. Start with a head­line ver­sion of a story and link deeper. Hell, you can click right back into the archi­ves and put any event into his­to­ri­cal perspective.

    Das Pro­blem, das ich sehe: Wäre es nicht auch Auf­gabe der deut­schen Jour­na­lis­ten, sol­che kri­ti­schen Fra­gen zu stel­len? Wäre nicht genau das der Qua­li­täts­jour­na­lis­mus, von dem so gern die Rede ist? Schade, dass die Auf­gabe des „go as deep” in die­sem Fall von einem aus­län­di­schen Jour­na­lis­ten über­nom­men wer­den musste – und sich deut­sche Jour­na­lis­ten mit „stay shal­low” begnü­gen. Ein dras­ti­scher Schluss wird von Michel Rei­mon prä­sen­tiert:

    Die vierte Macht in Deutsch­land ist mau­se­tot. Alle Super-Top-QualitätsjournalistInnen, die den Kol­le­gen hier allein gelas­sen haben, sol­len sich was schä­men. Nein, bes­ser: Sie soll­ten den Job wech­seln. Still und mit gesenk­tem Haupt.

    scissors

Was meinst du?